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Nordhessenprogramm

Das Programm der FDP für Nord- und Osthessen

Beschlossen beim Bezirksparteitag
am 7. September 2007

Nord- und Osthessen haben als Mittelpunkt in Deutschland und des neuen Europa gute Chancen im Wettbewerb der Regionen zu bestehen. Die Region verfügt über ein herausragendes Reservoir an gut ausgebildeten Fachkräften sowie wissenschaftliche Einrichtungen, die Innovationen in zukunftsträchtigen Wirtschaftsfeldern hervorbringen.
Unsere Stärken können und wollen wir zum Wohl der Menschen in unserer Heimat ausbauen. Die FDP will die Region beleben, damit die Menschen hier eine berufliche Zukunft haben. Wir brauchen dafür keine Subventionen, sondern die richtigen Rahmenbedingungen und Investitionen.

Die Region ist als Industriestandort mit ihrer reizvollen Landschaft, ihren Wohn- und Konsummöglichkeiten und dem sehr guten Bildungs- und Kulturangebot bei gleichzeitig moderaten Lebenshaltungskosten gut aufgestellt.

Chancen schaffen, Bildung fördern

Bildung bedeutet Zukunft. Liberale Politik für diesen Teil Hessens setzt deshalb einen klaren Akzent auf eine ganzheitliche Bildung, Wissenschaft und Technologie in der Region.
Dies beginnt bei der Verzahnung von Schule und Kindergarten und endet bei Angeboten zum lebenslangen Lernen.
Die FDP will die Vielfalt und die Qualität unseres Schulsystems stärken. Relevant ist die sachliche und fachliche Ausstattung der Schulen und nicht die Schulform. Die Durchlässigkeit und Akzeptanz der Leistungen des einzelnen Schülers müssen im Vordergrund stehen. Das Ganztagsschulangebot in unserer Region ist auszubauen.
Seit 2003 hat die Koch-Alleinregierung in Hessen zwar viele wohlklingende Gesetzestitel beschlossen, real hat sich das Klima in der hessischen Bildung jedoch Jahr für Jahr verschlechtert.

Gerade in der Fläche müssen allerdings aufgrund der demographischen Entwicklung zukünftig innovative Wege für den Erhalt eines flächendeckenden Schulangebots entwickelt werden. Insbesondere für Grundschulen, aber auch für weiterführende Schulen müssen neue Lösungswege zum Erhalt von Schulstandorten in der Fläche beschritten werden.
Möglichkeiten der Kooperation zwischen mehreren Schulen, aber auch jahrgangsübergreifende Schulangebote können hier Lösungsansätze sein. Dies sollte auch für einen Bundesland übergreifenden Schulbetrieb – insbesondere im Werratal - gelten. Regionale Lösungen z.B. mit den angrenzenden Bundesländern dürfen nicht an Ländergrenzen scheitern.
Als Partner der Wirtschaft kommt den beruflichen Schulen in unserer Region eine weiter steigende Verantwortung zu. Die Tendenz der letzten Jahre, Berufsschulstandorte zusammenzulegen und Ausbildungsberufe in den großen Städten zu bündeln, betrachten wir Liberale kritisch. Es muss zukünftig eine Stärkung der beruflichen Schulen im ländlichen Raum erfolgen, so dass auch Landesfachklassen und attraktive Angebote der beruflichen Bildung flächendeckend vorhanden sind.
Die nord- und osthessischen Berufsakademien ergänzen als innovative Bildungsmotoren die Arbeit der beruflichen Schulen und Hochschulen und unterstützen die wirtschaftlichen Potentiale unserer Region.
Vom Logistikschwerpunkt in Bad Hersfeld über Umwelt in Frankenberg bis zum Gesundheitsschwerpunkt in Bad Wildungen geben die Berufsakademien jungen Menschen attraktive Bildungsangebote in Berufsfeldern, die auch zukünftig stark in der Region nachgefragt werden.
Die Forschung und Lehre der Universität Kassel mit der Außenstelle Witzenhausen und der Hochschule Fulda sind unbestreitbar die größten Innovationsmotoren der Region. Für den Standort Hersfeld-Rotenburg wird die Ansiedlung einer privaten Hochschule für das Themenfeld Technolgievermarktung und Patentverwertung unterstützt.
Mit Innovationen von der Nanotechnologie bis zu regenerativen Energien gelingt es, Hochtechnologien in Nord- und Osthessen zu halten und so neue qualifizierte Arbeitsplätze in der Region zu erzeugen.
Eine verstärkte Kooperation mit der Region, aber auch mit anderen Bildungsträgern erscheint hier sinnvoll, um die Vorteile weiter zu vergrößern. Konzepte zum Aufbau einer Wissensbörse zur besseren Steuerung von Angebot und Nachfrage auf dem Bildungsmarkt werden befürwortet.

Region der Technologien für die Zukunft

Unsere Region hat nach der Verwirklichung der FDP-Forderung, das Zentrum für solare Energietechnik (ISET) in Kassel aufzubauen, sowie durch zahlreiche Ausgründungen aus der Universität Kassel, z.B. SMA, und das gesammelte Wissen an der Kasseler Uni, die Chance, zu einer herausragenden Kompetenzregion für dezentrale Energietechnik in ganz Deutschland zu werden. Darüber hinaus hat die Universität durch Gründung des „Inkubators“ und des Anwendungszentrums weitere Schritte zur Verzahnung der Universität mit der Wirtschaft, insbesondre durch die Unterstützung von jungen Unternehmen „Spin offs“ geleistet. Gerade die Neugründung von Unternehmen, also der Weg in die Selbständigkeit ist eine urliberale Angelegenheit. Dieser Weg muss konsequent seitens der Politik weiter unterstützt werden.

In der Region ist Zukunftstechnologie vorhanden. Dies gilt sowohl für den Bereich Photovoltaik als auch für die Nutzung von Biomasse und Geothermie.

Im Sinne einer weiteren, strukturierten Markteinführung erneuerbarer Energieträger, zu dem ausdrücklich auch die Solarenergie zu zählen ist, ist es notwendig, diese Aktivitäten besser zu koordinieren.

Das landesweit tätige Kompetenzzentrum HeRo in Witzenhausen ist in hervorragender Weise geeignet, bei Bio-Rohstoffen diese Bündelungsfunktion zu übernehmen. Damit wird Wachstumspotenzial in vornehmlich ländlich strukturierten, strukturschwächeren Regionen generiert. Es werden die Voraussetzungen für Unternehmenswachstum, Existenzgründungen und Neuansiedlungen gebildet und somit die bestehenden Arbeitsplätze gesichert und die Schaffung neuer vorangetrieben.

Dazu müssen die entsprechenden Kompetenzen der Hessen-Energie, des Institutes für Solare Energieversorgungstechnik (ISET), des Landesbetriebes Landwirtschaft, des Landesbetriebes Hessen-Forst und des Netzwerkes DeENeT (Uni Kassel und Wirtschaft) zusammengeführt werden.

Die Nachfrage nach nachwachsenden Rohstoffen aus dem land- und forstwirtschaftlichen Bereich führt dazu, dass insgesamt die Agrarmärkte für pflanzliche Produkte und die Holzmärkte einen deutlichen, nachhaltigen Aufschwung erfahren.

Die FDP fordert, dass auch die kleinen und mittleren Unternehmen, gerade aus dem Handwerk, an dieser technologischen Entwicklung teilhaben können. Da die Großkonzerne intensiv Stellen abbauen, kommt ihnen bei der Anwendung und Schaffung moderner Arbeitsplätze eine Schlüsselrolle zu. Sie sind der Mittler zwischen Industrie und Endkunde.

Die Handwerksbetriebe und die kleinen und mittleren Unternehmen müssen in die Lage versetzt werden, ein technologisches Cluster zu bilden, denn gerade dort schaffen und sichern wir viele Arbeitsplätze. Wir Liberale wollen, dass auch die kleinen und mittleren Unternehmen profitieren. Sie müssen stärker als bisher in das Cluster „Regenerative Energien“ beim Regionalmanagement Nordhessen einbezogen werden. Als Unterbau für das Nordhessen Cluster sind in den Landkreisen Netzwerke zu bilden.


Die gute geographische Lage durch verbesserte Infrastruktur nutzen

Ein weiterer Schwerpunkt des Regionalmanagement Nordhessens ist die Stärkung des Logistikstandortes Nord- und Osthessen. Unsere Lage ermöglicht es, zu einem der führenden Zentren der europäischen Logistikdienstleistungen aufzusteigen. Dabei ist für uns Liberale wichtig, dass wir nicht nur die Lagerhalle und Verpackstation Europas werden, sondern dass sich die Unternehmen mit Ihren Firmenzentralen bei uns ansiedeln. Der Landkreis Hersfeld-Rotenburg soll zum Kompetenzzentrum für „internationale logistische Wertschöpfungsketten“ (supply Chains) ausgebaut werden.

Die Erhaltung und Schaffung einer soliden Verkehrsinfrastruktur ist als elementare Daseinsvorsorge zu sehen. Ohne moderne und leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur ist weder die Erhaltung noch das Wachstum der Wirtschaftskraft zu gewährleisten.

Allein der notwendige Erhaltungsbedarf für das Landesstraßennetz wurde durch ein Gutachten 2004 auf rund 87 Mio. Euro/p.A. beziffert, wenn mittelfristig der Qualitätsstand des Beginns der 90er Jahre erreicht werden soll. Im Landeshaushalt 2007 sind für den Landesstraßenbau 85 Mio. Euro ausgewiesen. Aus Sicht der FDP ist dieser Ansatz immer noch zu niedrig und sollte deshalb möglichst auf bis zu
250 Mio. Euro aufgestockt werden. Gut ausgebaute und sanierte Straßen bilden das Rückgrat notwendiger Verkehrsgestaltung.

Die Finanzierung von Straßenbaumaßnahmen seitens des Landes muss hierbei flexibler gehandhabt werden, um auch kurzfristig notwendige Maßnahmen umsetzen zu können. Die FDP kritisiert, dass auf der einen Seite die Kommunen im Rahmen der Eigenkontrollverordnung notwendige Kanalbaumaßnahmen vorantreiben müssen, aber die notwendige Co-Finanzierung des Landes bei Baumaßnahmen in ihrem Zuständigkeitsbereich langfristig nicht gewährleistet. ist.

Beim Bundesfernstraßenbau hat für die FDP die Schließung folgender Autobahnlücken besondere Priorität:

die A 44 Kassel-Eisenach, A 49 Kassel-Gießen

Dringlich sind darüber hinaus die Ausbaumaßnahmen im Zuge der
A 4 Kirchheim-Herleshausen, A 5 Reiskirchener Dreieck-Alsfeld
A 7 Kassel-Hattenbacher Dreieck,
A 4 Olpe-Hattenbach, Ausbau einer mehrspurigen Fernstraßenverbindung auf dem Korridor der einstmals geplanten Autobahn

Ein weiterer Ausbau der A 66 und der Ausbau der Strecke Fulda-Meiningen.
An der A4 sind dringend Lärmschutzmaßnahmen durchzuführen.

Außerdem muss für die Bundesstraßen eine dauerhafte und für die Anwohner verlässliche Lösung in Bezug auf den mautverdrängten LKW-Verkehr gefunden werden. Befristete Sperrungen allein helfen – wie der Name schon ausdrückt – nicht langfristig, sondern nur befristet. Ebenfalls sind die bereits in der Vorplanung befindlichen Bundesstraßen – Ortsumgehungen weiter voranzubringen.

Für die wirtschaftliche Entwicklung, aber auch um der Bevölkerung für die Zukunft ein lebenswertes Umfeld zu schaffen, bedarf es neben leistungsfähigen Straßen auch einen funktionierenden Personennahverkehr mit Regiotram und Kurhessen-Bahn.

Die FDP setzt sich weiterhin für die Sicherung der Mitte-Deutschland Verbindung (MDV) ein. Die MDV von Düsseldorf über Hamm, Paderborn, Kassel und Erfurt nach Weimar hat für die Anbindung der Wirtschaftsregionen an den Fernverkehr der Bahn herausragende Bedeutung und ist für die Mobilität von Berufspendlern unverzichtbar. Für die Region Osthessen ist der Ausbau des ICE Standortes Bad Hersfeld von grundsätzlicher Bedeutung, um die massive Abwanderung junger Menschen zu verhindern.

Um die MDV gerade für den Berufsverkehr zu sichern, fordert die FDP den Einsatz von mindestens 5 Zugpaaren, insbesondere in den Tagesrandzeiten. Eine engere Kooperation der Länder Hessen und NRW kann den Lückenschluss im grenzüberschreitenden Bahnverkehr, der durch Ausdünnung der MDV entstanden ist, schließen helfen.

Die Deutsche Bahn AG ist aufgefordert, auch ihr Streckennetz in der Region auf den neuesten Stand zu bringen, da nicht nur der Personen- sondern vor allen Dingen auch der Güterverkehr ständig am wachsen ist. Der derzeitige Zustand vieler Gleiskörper lässt diesen steigenden Verkehr nicht mehr gefahrenfrei ablaufen.

Der ÖPNV in der Region ist ebenfalls unverzichtbarer Bestandteil eines funktionierenden Verkehrssystems. Die erfolgten Kürzungen der Regionalisierungsmittel haben zu erheblichen Einschnitten im Leistungsangebot und zu Fahrpreiserhöhungen geführt. Die FDP wird sich für eine Anhebung und eine gerechtere Verteilung der Regionalisierungsmittel einsetzen, wobei berücksichtigt werden muss, dass weitere Leistungskürzungen im ländlichen Raum zu erheblichen strukturellen Nachteilen führen werden. Neben der Frage des Auslastungsgrades des ÖPNV müssen diese strukturellen Fragen bei der Beauftragung von Verkehrsleistungen Berücksichtigung finden.

Es steht für die FDP außer Frage, dass zur Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur zwingend der Ausbau des Flughafens Kassel-Calden erforderlich ist. Hierbei muss der Anschluss des Flughafens an das überregionale Verkehrsnetz deutlich verbessert werden, um auch das im Umfeld geplante Gewerbegebiet besser nutzen zu können.

Mobilität in der Region ist ein wichtiger Faktor sowohl der wirtschaftlichen Rahmenbedingung als auch der Milderung der demographischen Entwicklung, dabei darf aber die notwendige Sicherheit, besonders beim Individualverkehr nicht vernachlässigt werden. Die Zahl der verunglückten jugendlichen Autofahrer ist besorgniserregend.

Aus diesem Grund forderte die FDP bereits im Januar 2005 die Einführung „begleitetes Fahren ab 17“ endlich auch in Hessen. Zwischenzeitlich ist die Landesregierung diesem Vorschlag gefolgt und die FDP hofft, dass mit diesem Projekt die hohen Unfallzahlen in der Altersgruppe der 18-25jährigen in Hessen gesenkt werden. Die FDP wird sich für die dauerhafte Fortsetzung des Projektes landesweit einsetzen.


Region für starke Dienstleister

Unsere geographische Lage eignet sich hervorragend zur Ansiedelung hochkompetenter Dienstleistungsunternehmen. Die Menschen in unserer Region sind gut ausgebildet und leistungsbereit.

Durch moderne Kommunikationstechnologie ist es möglich, alle anfallenden Geschäftsprozesse dezentral zu organisieren. Das ist eine gute Voraussetzung für die Ansiedelung von Call-Center. In Verbindung mit dem Logistikstandort Nordosthessen eröffnen sich Perspektiven zur Schaffung weiterer Arbeitsplätze.

Nord- und Osthessen mit seinen günstigen Mieten und hervorragender verkehrlicher Anbindung an den Raum Frankfurt muss mit dieser Stärke besser punkten als bislang.

Zu einem modernen Dienstleistungsstandort gehört, dass gerade die Kommunikationswege gut ausgebaut sind. Wir dürfen nicht zulassen, dass ländlich strukturierte Teile Nordosthessens keinen Zugang zur Datenautobahn erhalten. Breitbandverbindungen sind die Eisenbahnstrecken der Zukunft und gehören damit zur Basisinfrastruktur für die Menschen. Sie müssen daher flächendeckend verfügbar sein.

Nur wenn die Landespolitik die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft konsequent verbessert und in die Stärken unserer Region investiert, wird sie bessere Lebensbedingungen für die Hessen insgesamt erreichen.

Es hilft niemandem, wenn das Land geteilt ist in einen bevölkerungsstarken und wirtschaftlich prosperierenden Süden und einen entvölkerten Norden, dessen Kommunen nicht in der Lage sind, die ihnen obliegenden Aufgaben aus eigener Kraft zu lösen.

Demographische Herausforderungen meistern

Alle Erhebungen und Statistiken gehen einhellig davon aus, dass die Einwohnerzahl unserer Region in den kommenden Jahren und Jahrzehnten konstant schrumpfen und die Gesellschaft immer älter werden wird. Diese Entwicklung darf die Politik nicht nur als Gefahr sehen, sondern muss durch gezielte Instrumente entgegensteuern.

Das persönliche Umfeld eines jeden wird sich in den nächsten Jahren ändern. Die allgemeine Wohnsituation befindet sich gerade auch im Bezug auf die Familiengröße im Umbruch. Gerade im ländlichen Bereich kann es bei Beibehaltung der derzeitigen Strukturpolitik zu Verödung der Orts- und Stadtkerne kommen.

Die FDP fordert dringend eine Erfassung der Leerstandsentwicklung (qualifiziertes Leerstandskataster) von Wohnhäusern und Betrieben in den Kommunen, wobei sowohl eine Substanzbewertung erfolgen und eine Zukunftsprognose über die Zahl der Bewohner im Jahre 2015 erstellt werden muss.

Besonderes Augenmerk muss deshalb auf die Neuorientierung der Strukturförderung für den ländlichen Raum gelegt werden. Es bedarf deshalb eines neuen Konzeptes der Dorferneuerung, die ein Konzept der Dorfsicherung beinhalten muss. Insbesondere sind alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um die Grundversorgung in der Region zu gewährleisten (Nahrungsmittel, Personennahverkehr, ärztliche Versorgung, Krankenhäuser, Kindergarten, Schule usw.).

Durch die demographische Entwicklung wird die Situation vieler dörflicher Gemeinschaften immer schwieriger. Eine weitere Zersiedlung der Dörfer ist zu vermeiden. Die Dorfkerne sind durch Schaffung von Wohn- und Geschäftsräumen sowie der Möglichkeit für altengerechtes Wohnen nachhaltig aufzuwerten. Die Belange des Denkmalschutzes müssen im Sinne der nachhaltigen Entwicklung von Dorfgemeinschaften überprüft und die Möglichkeiten von gestalterischen Rückbauten oder Abrissen deutlich vereinfacht werden.

Vor diesem Hintergrund ist es von besonderer Bedeutung, dass es zukünftig nicht zu Verwerfungen zwischen den Generationen kommt, sondern dass Politik generationenübergreifend und abgestimmt auf die Interessen aller Altersgruppen entwickelt wird.

Neue Konzepte zum besseren Verständnis und Austausch der Generationen begrüßt die FDP deshalb ausdrücklich. Mit einer klaren Wirtschafts-, Infrastruktur-, Bildungs- und Innovationspolitik kann es gelingen, mittel- bis langfristig diesen Trend zu verringern und eventuell sogar zu stoppen.


Konsequente Politik für die Region

Wir Liberale wollen, dass die wirtschaftliche Entwicklung wieder ganzheitlich betrachtet wird. Dass neben der Stärkung der für Hessen wichtigen Wirtschaftsregion Rhein-Main auch in die Struktur des Nordens und Ostens unseres Bundeslandes investiert wird und neben Leuchtturmprojekten auch die Verbesserung der Rahmenbedingungen verfolgt wird. Dass dies möglich ist, haben die Jahre von 1999 bis 2003 mit Regierungsbeteiligung der FDP gezeigt.

Die Projekte Kassel-Calden, Museumslandschaft Kassel und der Nationalpark Kellerwald-Edersee sind planerisch nicht zu Ende gedacht und nur reduziert umgesetzt.

Besonders die Konzeption des National- und Naturparks muss dringend überarbeitet werden, um seiner Werbefunktion für die Region und den wirtschaftlichen Erwartungen, besonders im Tourismus, gerecht zu werden. Die Einsatz von Landesmitteln in Höhe von 10 Mill. Euro muss hier erfolgsorientiert gesehen werden und darf sich nicht hauptsächlich darauf beschränken, 40 Arbeitsplätze in der Verwaltung zu schaffen.

Die FDP will, dass die Landesregierung die Initiative zu einer Nordosthessenkonferenz aufnimmt, um die notwendigen Anstrengungen zu koordinieren. Hierbei muss mit den benachbarten Bundesländern wieder bessere Zusammenarbeit erreicht werden. Die Arbeit des Regionalmanagements Nordhessens muss zukunftsorientiert konzipiert und seitens des Landes mit finanziellen Mittel gesichert werden.

Um in Europa der Regionen auch in Zukunft zu den Gewinnerregionen zu gehören, müssen neue Formen der Zusammenarbeit verfolgt werden. Ein erster Ansatz sollte eine verstärkte Zusammenarbeit von Stadt und Landkreis Kassel sein.

Im Wettbewerb der Regionen spielt auch eine zukunftsweisende Regionalplanung für ganz Nordosthessen eine Rolle. In der zukünftigen Regionalplanung müssen deshalb die Interessen kleinerer Kommunen mit denen größerer Städte und dem Oberzentrum Kassel in Einklang gebracht werden.


Unsere Region tut gut

Ein weiteres wichtiges Aufgabenfeld des Regionalmanagement ist die Stärkung Nord- und Osthessens als Tourismus-, Wellness- und Gesundheitsregion.

Eine verstärkte Zusammenarbeit der Krankenhäuser in der Region muss erfolgen, damit nicht nur die derzeitige Grund-, Regel- und Spezialversorgung gesichert ist, sondern das flächendeckende, qualifizierte medizinische Angebot ausgebaut wird. Die große Anzahl von Reha-, Wellness- und Vorsorgezentren unterstützt die Entwicklung unserer Heimat zu einer Gesundheitsregion.

Derzeit sind in Deutschland rund fünf Millionen Menschen in der Gesundheitswirtschaft beschäftigt, das sind 13 Prozent der Gesamtbeschäftigten. Der Gesundheitsmarkt wird bis zum Jahr 2020 von heute 260 Milliarden Euro auf über 450 Milliarden Euro anwachsen. Patienten werden mündiger und verlangen mehr Transparenz bei Angebot und Qualität.

Die Region hat frühzeitig diese Entwicklung erkannt und mit der Gründung eines Clusters „Tourismus- und Gesundheit“ im Rahmen des Regionalmanagement Nordhessen eine wichtige Weichenstellung für die Region vorgenommen.

Im Bereich Gesundheit liegen Nord- und Osthessen mit 13 der 33 hessischen Heilbäder, über 90 Klinikeinrichtungen, 1.421 Praxen und rund 50.000 Beschäftigten ganz vorn. Der Gesundheitssektor in Nordosthessen erwirtschaftet derzeit einen Umsatz von ca. 5 Milliarden Euro. Diese außerordentliche Gesundheitskompetenz ist damit eine Säule der wirtschaftlichen Entwicklung. Die FDP fordert deshalb eine gemeinschaftliche Aufstellung und Vermarktung der Region als potenter Anbieter von Gesundheitsleistungen.

In einer bundesweit einmaligen Zusammenarbeit haben sich bisher schon 30 Anbieter aus der Region zusammengeschlossen, um gemeinsam ein Medical-Wellness Angebot für die Region zu entwickeln und zu vermarkten. Mit Medizinern sind Qualitätskriterien erarbeitet, auf deren Grundlage ausgesuchte Gesundheitsangebote – die Erholung, Wellness und kompetente Gesundheitsberatung vereinen – zur Auswahl stehen.

Inzwischen haben touristischen Unternehmen erkannt, dass mit Medical Wellness neue Kundengruppen erreichbar sind, wenn ganzheitliche Wellness-Konzepte, verbunden mit der Vermittlung von Kompetenzen angeboten werden.

Für die Gesundheits- und Wellnessregion Nord- und Osthessen und den Medizinstandort bedeutet dies, die wichtigsten Veränderungen auf einem der Schlüsselmärkte der Zukunft zu erkennen, sich dem Wettbewerb zu stellen und entsprechend zu positionieren.

Um die medizinische Versorgung einer zusätzlich immer älter werdenden Gesellschaft zu sichern, müssen nach Auffassung der FDP schon in naher Zukunft die niedergelassenen Ärzte nicht mehr nur in Einzel- und Gemeinschaftspraxen, sondern vermehrt auch in medizinischen Versorgungszentren (MVZ) tätig sein. Sie müssen sich durch eine abgestimmte Leistungserbringung zu einer schlagkräftigen Einheit zusammenschließen. Darüber hinaus gilt es, die bestehenden Ärzte-Netzwerke zu intensivieren, um auch mit und in Krankenhäusern zu arbeiten und deren Infrastruktur nutzen zu können.
Unsere Heimat ist eine Reise wert

Die Landschaft in der Region und die zahlreichen Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung und Kurzweil sind ein Quell der Erholung und Entspannung. Auch hier kommt uns die geographische Mittellage in Deutschland entgegen.

Die FDP fordert, die touristischen Angebote zu bündeln und so aufzuwerten, dass sich Nord- und Osthessen gemeinsam zu einer führenden Region im Bereich der Kultur-, Sport-, Natur- und Wellnessreisen entwickeln kann. Hierbei spielt die documenta eine besondere Rolle.

Die vielfältigen kulturellen Angebote unserer Region müssen ebenso wie die traditionellen Vermarktungsansätze neu überdacht und vernetzt werden. Dazu gehören natürlich auch weitere traditionelle touristische Angebote, die in unserer Region ihre Heimat haben.

Die Planungen der HessenAgentur eine einzige Destination Nordhessen zu entwickeln, werden von der FDP abgelehnt. Gemeinsame touristische Angebote sollten Kreis- und Länder übergreifend beworben werden.

Die FDP schlägt vor, die Region in touristische Arbeitsgemeinschaften aufzuteilen, wobei Grenzen von Gebietskörperschaften, Landkreisen und sogar Bundesländern in den Hintergrund treten sollten. Unter der jeweiligen Dachdestination können dann alle Beteiligten weiterhin ihre Angebote aufrechterhalten, aber gemeinsam vermarkten.

Die FDP stellt sich hierbei als mögliche Destinationen Rhön, Werratal, Edersee-Kellerwald, Sauerland-Upland vor. Das derzeitig herrschende Chaos der Prospektvielfalt kann damit abgeschafft und eine effiziente Vermarktung der touristischen Angebote auf den Weg gebracht werden.

Eine moderne Multifunktionshalle in Kassel wird sich für die gesamte nordosthessische Region zu einem besonderen sportlichen und kulturellen Anziehungspunkt entwickeln.